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Abstrakte Landschaft malen: Warum Blockaden dein Bild besser machen können
Ein fertiges Kunstwerk wirkt oft selbstverständlich. Als hätte genau dieses Bild schon immer so existiert: mit seiner Spannung, den Flächen, dem dunklen Himmel und diesem einen gelben Akzent, der plötzlich alles zusammenhält.
Was man der Leinwand oft nicht ansieht: wie oft der Malprozess ins Stocken geraten ist. Wie oft man davor stand, gezögert hat, den Pinsel in der Hand, und nicht genau wusste, ob der nächste Schritt das Bild weiterbringt oder alles wieder durcheinanderwirft.
Wenn ein Bild nicht funktioniert: Der Moment mitten im Malprozess
Gerade beim abstrakten Malen entsteht ein Werk selten so geradlinig, wie es später vielleicht wirkt. Es gibt diese Phasen im Atelier, in denen der Plan nicht aufgeht. Die Strukturmasse trocknet anders als erwartet, Acrylfarbe läuft nicht dorthin, wo sie laufen sollte, oder ein Farbakzent wirkt plötzlich viel zu laut und passt nicht mehr zur Bildkomposition.
Und dann kommt dieser Moment, den viele kennen: Man schaut auf das Bild und denkt nur noch: Und jetzt?
Abstrakte Malerei braucht Widerstand
Beim intuitiven Malen ist dieser Dialog mit der Leinwand besonders intensiv. Man beginnt vielleicht mit der Idee einer abstrakten Landschaft: ein weiter Himmel, Felder, vielleicht ein Rapsfeld. Doch während des Malens zeigt das Bild plötzlich eine andere Richtung. Eine helle Fläche wird wichtiger als geplant. Eine Linie verändert die Bewegung. Ein kleiner gelber Akzent passt nicht dort, wo man ihn zuerst setzen wollte.
Das Schwierige daran ist, dass wir solche Momente schnell als Scheitern deuten. Der Plan funktioniert nicht, also denken wir: Ich kann es nicht. Das Bild ist misslungen. Ich habe die falsche Entscheidung getroffen. Dabei ist oft nur etwas anderes entstanden, als wir erwartet hatten.
Tiefe im Bild entsteht nicht immer durch einen glatten Plan
Ein Bild bekommt nicht immer dadurch Tiefe, dass alles leicht und reibungslos läuft. Manchmal entsteht Tiefe gerade dort, wo etwas nicht sofort passt. Dort, wo eine Fläche wieder geöffnet wird. Dort, wo Farbe weggenommen statt einfach übermalt wird. Dort, wo eine große Idee kleiner wird und plötzlich als kleine Insel im Bild weiterleben darf.
Ein Kunstwerk trägt die Spuren seiner Umwege in sich. Übermalte Stellen, stehen gebliebene Linien, Ränder, Brüche, Übergänge. Als Betrachterin oder Betrachter sehen wir diese Entscheidungen nicht immer bewusst, aber wir fühlen sie oft.
3 Gedanken, wenn du mitten im Bild feststeckst
1. Ein stockender Prozess bedeutet nicht, dass du nichts kannst.
Oft zeigt das Bild einfach nur, dass es gerade etwas anderes braucht als ursprünglich geplant.
2. Wegnehmen ist manchmal stärker als Übermalen.
Gerade beim abstrakten Malen entstehen spannende Übergänge oft dort, wo Flächen wieder geöffnet werden.
3. Mach dein Können nicht an einem einzigen Bild fest.
Ein Bild darf suchen. Und manchmal zeigt sich erst später, warum genau dieser Umweg wichtig war.
Mach dein Können nicht an einem einzigen Bild fest
Deshalb ist es so wichtig, das eigene Können nicht an einem einzigen Werk festzumachen. Vor allem nicht mitten im Prozess. Wenn du gerade vor deinem Bild stehst und denkst, dass nichts mehr funktioniert, kann es sein, dass du nicht gescheitert bist. Vielleicht ist nur der erste Plan zu eng geworden.
Vielleicht möchte das Bild eine andere Richtung nehmen. Vielleicht geht es gerade nicht darum, das ursprüngliche Bild zu retten, sondern das Bild zu sehen, das tatsächlich entstanden ist.
Der Prozess im Video: Eine abstrakte Landschaft mit Acryl und Strukturmasse
In meinem neuen Video beginne ich eigentlich nur mit etwas restlicher Strukturmasse, einem dunklen Himmel und der Idee einer abstrakten Landschaft.
Während des Malens verändert sich das Bild allerdings immer wieder. Eine helle Fläche taucht auf, Wasser zieht Linien hinein, ein kleines gelbes Feld wandert an eine andere Stelle und plötzlich funktioniert vieles nicht mehr so wie am Anfang gedacht.
Diese Momente sieht man einem fertigen Bild später oft gar nicht mehr an: dieses kurze Stocken, Neuentscheiden, Weiterschauen. Aber genau aus diesen Momenten heraus entsteht die Landschaft am Ende überhaupt erst.
Mehr zur Sprache der Kunst: Frei und fließend malen
Wenn dich genau dieser Moment interessiert – wenn aus Fläche, Linie, Struktur und Farbe plötzlich eine eigene Bildsprache entsteht –, findest du dazu mehr in meinem Buch Frei und fließend malen. Darin geht es nicht nur um Techniken, sondern auch um den inneren Prozess beim abstrakten Malen.
Weiter malen, auch wenn der Plan nicht aufgeht
Beim abstrakten Malen lernen wir nicht nur Technik. Wir lernen zu sehen. Wir lernen, auf das zu reagieren, was da ist. Wir lernen, nicht sofort alles zu bewerten. Und wir lernen, dass ein Bild nicht immer dem Plan folgen muss, um wahr zu werden.
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erfahrungen im kreativen Prozess: Nicht jedes Bild zeigt sofort, wohin es will. Aber wenn wir im Gespräch bleiben – mit Farbe, Fläche, Linie, Struktur und mit uns selbst –, kann aus dem Stocken wieder Bewegung entstehen.
Video ansehen: abstrakte Landschaft mit Acryl und Strukturmasse
Wenn du sehen möchtest, wie dieses Bild Schritt für Schritt entsteht – mit Strukturmasse, Wasser, dunklem Himmel, fließender Acrylfarbe und kleinen gelben Feldern – findest du hier das ganze Video:
Kleiner Tipp: Und wenn du gerade vor deiner Leinwand stehst und nicht weiterweißt: Leg den Pinsel nicht sofort weg. Vielleicht ist das Bild nicht gescheitert. Vielleicht beginnt es gerade erst, dir etwas anderes zu zeigen.
Und ja, diesmal sieht man mich tatsächlich mittendrin stehen, überlegen, zweifeln und suchen. Vielleicht mag ich dieses Video deshalb gerade so gern. Weil es nicht nur das fertige Bild zeigt, sondern auch diesen stillen Moment dazwischen, in dem noch nicht klar ist, wohin alles geht. Ich freue mich, mit euch so in den Sonntag zu starten - mit Farbe, kleinen Umwegen und genau diesem gemeinsamen Weitermachen ;)
Alles Bunte, deine Petra

Guten Morgen liebe Petra
Dieser Blog spricht mir aus der Seele.
Ich weiß genau wovon du sprichst,denn ich kenne dieses Gefühl nur zu gut😉
Anfangs wollte ich immer genau das umsetzen was die Vorlage in meinem Kopf war,aber ich hab schnell meine Grenzen erreicht,es fehlte Erfahren,Farblehre,der Umgang mit Pinsel und die richtige Wahl der Mal Utensilien. Das war frustrierend. Durch dich hab ich gelernt ,den Prozess nicht einzusperren ,sondern den Dingen freien Lauf zu lassen 👍🏼.
Ohne Dich ,deine emotionalen Worte und deine Videos ,wäre ich schon längst gescheitert. Du gibst mir die Kraft immer weiter zu forschen,zu probieren und nicht aufzugeben. Jeder Sonntag mit Dir und der Community ist schon zum Ritual geworden. Mit mehr Freude am Sonntag kann der Montag kommen 😜. LG Bia a
Liebe Petra, ich verfolge deine Videos schon fast seit Beginn. Ich schau mir auch gerne alte Videos an, sehr spannend wie sich das mit den Jahren verändert. Aber du nicht, du bist immer die Gleiche. Sonntag deine live Videos sind schon Pflicht und eine Freude. Liebe Grüße Doris 🌺
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