Warum innere Ruhe kein Stillstand ist
Ein Essay aus dem künstlerischen Denkraum
Der Kreis als Denkraum
Wenn ich einen Kreis male, tue ich das nicht, um ihn zu „vollenden“. Ich fange einfach an und lasse ihn wachsen. Gold auf Grün, dann wieder zurück. Immer wieder geht es auch hin und her. Irgendwann merke ich: Das Bild macht sich selbst auf den Weg und ich begleite es nur.
Und genau da beginnt es spannend zu werden: Denn plötzlich stehe ich mittendrin und zwar nicht vor einer Leinwand, sondern vor einer Frage: Wohin eigentlich will das Bild – wenn niemand vorgibt, wo es enden soll? Wohin gehe ich – wenn niemand sagt, wie es richtig ist? oder Wohin führt mich das Bild – wenn ich ihm einfach folge?
Dann steht man da. Mitten im Prozess. Keiner kommt und lobt dich. Keine fremde Bewertung, keine Zielvorgabe. Niemand sagt: gut gemacht und auch Niemand: nicht so!
Vielleicht ist genau das der Moment, in dem etwas entsteht oder überhaupt erst entstehen kann..
Etwas Echtes. Etwas, was nur Dir gehört, weil es aus dir kommt.
Das ist keine Frage der Technik. Das ist eine Frage der Haltung. Und vielleicht damit der stillste Ausdruck von Vertrauen in dich selbst.
„In der Ruhe verschwindet nichts – sie zeigt nur, was bleibt.“
Zwischen Beobachtung und Entscheidung
Manchmal will ich lenken und merke: Das Bild will woanders hin. Dann halte ich inne. Schaue, was es braucht. Da ist niemand, der mir sagt, ob das der „richtige“ Weg ist. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Momente so ungewohnt sind: Weil wir es verlernt haben, uns selbst zu vertrauen – ohne einen Spiegel, ohne ein Etikett.
Malen kann da viel mehr sein als ein Ausdruck: Es wird zu einem Dialog mit dem eigenen Denken. Ein Denkraum, in dem nicht sofort Lösungen, sondern Perspektiven entstehen. Und manchmal - nicht immer, aber oft - ergibt sich plötzlich Sinn. Ohne dass ich ihn gesucht hätte. Ohne, dass ich ihn benennen muss. Er taucht einfach auf. Still. Verlässlich. Wie ein Gedanke, der sich entfaltet.
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Wenn Ruhe zur Kraft wird
Innere Ruhe ist kein Rückzug. Sie ist kein "Ausknopf". Sie ist ein aktives Lassen – ein Denken in Runden, nicht in Ecken. Sie fragt nicht: „Was bringt das?“ sondern: „Was braucht es wirklich – jetzt, hier, heute?“
Es geht nicht darum, besser zu werden. Sondern stimmiger. Nicht schneller. Sondern klarer. Nicht mehr leisten. Sondern wieder mehr spüren.
Während draußen alles lauter, komplexer, drängender wird, darf innen ein Raum entstehen, der leiser denkt und feiner fühlt.
Innere Ruhe ist kein Abbruch der Bewegung, sondern eine andere Form davon. Eine, die nicht anschiebt, sondern einlädt. Eine, die nicht kontrolliert, sondern vertraut.
Vielleicht sind das die besseren Fragen:
- Was brauche ich gerade wirklich?
- Wie kann ich mich spüren – nicht nur funktionieren?
- Was geschieht, wenn ich lasse, statt zu machen?
Nicht als Selbstoptimierungsziel, sondern als stillen Gegenentwurf. Nicht als Leistung in der nächsten Runde, sondern als Haltung, die sich selbst nicht überholt.
Und wer sagt überhaupt, dass es immer um ein Mehr gehen muss? Vielleicht genügt ein Weniger, aber das stimmt. Ein Sein, das nicht bewertet wird. Ein Gedanke, der verweilen darf und zwar nicht, weil er besser ist, sondern weil er bleibt.
Ruhe ist kein Stillstand und auch kein Widerspruch zur Selbstoptimierung.
Vielleicht ist sie sogar ihre ehrlichste Form: nicht getrieben von Mangel, Druck oder Vergleich – sondern geboren aus Selbstachtung.
Keine Steigerung. Keine Leistungslogik.
Sondern eine Rückkehr zum Wesentlichen.
„Vielleicht ist der ruhigste Moment der Anfang jeder Veränderung.“
– Petra Thölken
💛 Teile diesen Denkraum – vielleicht inspiriert er jemanden, der Ruhe nicht mehr mit Untätigkeit verwechselt.
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