Intuitiv abstrakt malen – Was tun, wenn ein Bild nicht stimmt?
Fast jeder, der malt, kennt diesen Moment: Man steht vor dem Bild und merkt plötzlich – irgendetwas stimmt nicht. Die Farben wirken schwer, die Komposition kippt, die Spannung ist verloren. Das Bild „funktioniert“ nicht mehr.
Gerade beim intuitiv abstrakten Malen passiert das häufiger, als man denkt. Weil ohne festes Motiv gearbeitet wird, entstehen Situationen, in denen Unsicherheit auftaucht. Soll ich übermalen? Neu beginnen? Aufhören?
In meinem aktuellen Bild stand ich genau an diesem Punkt. Ich hatte mit Blüten gearbeitet – ohne vorherige Planung. Die gewählte Farbe reagierte anders auf das Werkzeug, das Werkzeug wiederum war für diesen Moment nicht vorbereitet. Solche Reibungen sind im intuitiven Arbeiten nichts Ungewöhnliches. Sie sind Teil des Prozesses.
Wenn ein abstraktes Bild kippt
Ein Bild kippt nicht technisch – es kippt in der Wahrnehmung. Farbe, Form oder Rhythmus geraten aus dem Gleichgewicht. Genau hier trennt sich spontanes Reagieren von künstlerischer Entscheidung.
Intuitiv abstrakt malen bedeutet nicht, planlos zu arbeiten. Es bedeutet, aufmerksam zu beobachten, wie sich jede Entscheidung im Bild auswirkt. Nicht jede Irritation verlangt nach einer schnellen Lösung. Oft braucht es zunächst Klarheit darüber, was tatsächlich in Bewegung geraten ist.
Wäre ich ausgestiegen, wäre ein anderes Bild entstanden. Vielleicht harmonischer. Vielleicht kontrollierter. Aber nicht dieses. Die Spannung entsteht häufig genau dort, wo Unsicherheit auftaucht.
Im Prozess bleiben statt abbrechen
Abstrakte Malerei lebt von Entwicklung. Ein Bild durchläuft Phasen von Ordnung und Unruhe. Wer an der ersten Störung aussteigt, bleibt an der Oberfläche. Wer bleibt, entdeckt neue Ebenen.
Professionelle abstrakte Malerei entsteht nicht durch permanente Kontrolle, sondern durch Präsenz im Prozess. Die Fähigkeit, mit einem kippenden Bild weiterzuarbeiten, ist kein Zufall – sie ist Teil einer prozessorientierten künstlerischen Haltung.
Intuitiv abstrakt malen heißt: Verantwortung übernehmen
Viele verwechseln intuitives Malen mit Spontaneität. Doch echte intuitive abstrakte Malerei verlangt Aufmerksamkeit.
Du bleibst.
Du schaust.
Du entscheidest.
Und genau dadurch entsteht Tiefe.
▶︎ Den gesamten Prozess siehst du im Video
Im Video zeige ich diesen Moment Schritt für Schritt – vom Zweifel bis zur bewussten Entscheidung weiterzugehen. Du siehst, wie sich das abstrakte Bild entwickelt, wenn man nicht sofort korrigiert, sondern im Prozess bleibt.
→ Hier geht es zum vollständigen Video auf YouTube
Atelier-Notizen
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Lieber Alex,
danke dir noch einmal für deinen Gedanken zum Innehalten. Ja – Scheitern aushalten, schlechte Bilder zulassen, sie stehenlassen können – das ist wichtig. Gerade dadurch entsteht Reflexion. Und auch Bilder im Keller gehören zum Weg.
Mir geht es hier jedoch nicht um das einzelne Bild vor uns. Es geht um die innere Bewegung dahinter. In meiner Arbeit erlebe ich oft, dass Aussteigen nicht aus reifer Entscheidung geschieht, sondern aus Angst – vor Fehlern, vor dem eigenen Anspruch, vor der Auseinandersetzung mit sich selbst. Dann wird der Prozess vermieden, nicht das Bild.
Dieser Raum hier ist ein Kunstraum. Entwicklung zeigt sich im Tun. Im Aushalten. Im Bleiben, wenn es wackelt.
Vielleicht geht beides:
Wohlwollen mit sich selbst – und Mut zum Weitergehen.
Innehalten, wenn es wirklich dran ist.
Und bleiben, wenn es nur die Angst ist, die gehen möchte.
Danke dir fürs Mitdenken – solche Gedanken machen diesen Raum hier lebendig.
Herzliche Grüße
Petra
Hallo Petra! Hallo Bia!
Manchmal braucht es aber im Leben gerade diesen Moment des “gezwungenen Innehaltens”, um sich neu auszurichten und zu verändern. Das Tun ist vielleicht auch ein Verdrängen, das Nichtstun ist die Auseinandersetzung mit sich selbst. Sich selbst ertragen können ist eine Kunst, aber sie wird zum Wohlwollen des Ichs und der Selbstakzeptanz. Man hat eine unbedingte Vorstellung davon, was man malen möchte…die Farben, die Schichten…und dann das Ganze (scheinbar) versemmelt…aber genau DAS ist das Wohlwollen gegenüber sich selbst, wenn man das Gemalte stehenlässt! Zumindest hatte man doch eine nette Zeit mit Material, Farbe und seinen Gedanken. Auch ich habe immer wieder dieses Gefühl, etwas schaffen “zu müssen”, aber wenn ich nicht mag oder möchte, lass’ ich es einfach sein…die Zeit wird kommen, um seine Gefühle, Gedanken und Kreativität wieder zu beleben. Leben nicht vergessen und manchmal hilft die ein oder andere Blume in der Wohnung den Geist zu erfreuen (PLUS einer Tasse Kaffee, oder einem anderen Heißgetränk!)
Beste Grüße vom Alex
Ach Petra du sprichst mir aus der Seele.
Ich kenne das Gefühl von abbrechen oder weiter machen. Manchmal will man einfach zu viel ,kann es aber nicht umsetzten. Der Kopf macht es einem Schwer endlich loszulassen,den Instinkten zu folgen oder einfach aus der Routine zu brechen.
Ich selbst habe schon viele Bilder versaut , sozusagen 😜 ,aber nur so lernt man in den Prozess einzutauchen,aus Fehlern zu lernen und alles ein wenig leichter zu nehmen.
Ich hoffe ,daß ich nach dem Umzug wieder in die Malerei zurück kehren kann ,auch mental . Mir fehlt es meine Kreativität auszuleben,es ist wie eine unterdrückte Sehnsucht . Das Gefühl erinnert an eine endlose Treppe …
Dank deiner Sonntags Videos und der tollen Familien Community,gehöre ich trotzdem immer noch dazu ,auch wenn es eher wie eine trocken Übung aussieht 😂. Ohne euch hätte ich das Malen schon aufgegeben,aber meine Zeit kommt wieder,da bin ich fest von überzeugt.
Wir sehen uns alle am Sonntag. Fetten Knuddel Bia
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