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Abstrakt malen ohne Pinsel: Acryltechnik mit Schwamm und Händen
Muss man zum Malen eigentlich immer einen Pinsel benutzen? Aus meiner Community kam vor einiger Zeit ein Gedanke, der bei mir hängen geblieben ist: Kann der Pinselstiel manchmal Abstand schaffen – zwischen der eigenen Hand, der Farbe und dem, was auf der Leinwand entsteht?
Für mich persönlich ist ein Pinsel keine Barriere. Ich male sehr gerne mit Pinseln. Gleichzeitig arbeite ich seit vielen Jahren genauso selbstverständlich mit Schwämmen, Tüchern, meinen Händen, Spachteln, Pappe oder Dingen, die ursprünglich überhaupt nicht als Malwerkzeug gedacht waren.
Denn jedes Werkzeug verändert nicht nur die Spur auf dem Bild. Es verändert auch, wie wir dorthin kommen.
Du musst den Pinsel nicht ersetzen.
Du kannst deine Möglichkeiten beim Malen erweitern.
Malen mit Schwamm: Was verändert sich?
Ein Schwamm verhält sich völlig anders als ein Pinsel. Er nimmt Wasser und Farbe auf, speichert beides und gibt es beim Tupfen, Drücken oder Wischen wieder ab.
Je nachdem, wie feucht der Schwamm ist und wie viel Druck du ausübst, können weiche Übergänge, offene Flächen, Spuren oder deutlich sichtbare Strukturen entstehen.
Mit Schwämmen arbeite ich übrigens schon lange. Bereits in meinem ersten Buch habe ich diese Technik gezeigt und beschrieben. Schön finde ich, dass mich so ein einfaches Werkzeug über viele Jahre begleitet und trotzdem immer wieder zu neuen Bildern führt. Meine Bücher findest du hier →
Gerade wenn du mit abstrakter Acrylmalerei beginnst, finde ich das spannend. Du musst keine bestimmte Pinselführung beherrschen. Du kannst erst einmal ausprobieren, was das Material überhaupt macht.
Probier beim Schwamm verschiedene Feuchtigkeitsstufen aus.
Trocken, feucht und sehr nass ergeben drei völlig unterschiedliche Spuren.
Intuitiv abstrakt malen: Nicht alles vorher entscheiden
Beim intuitiven Malen muss ich zu Beginn nicht wissen, wie mein Bild am Ende aussehen wird. Ich setze etwas auf die Leinwand, schaue hin und reagiere auf das, was entstanden ist.
In diesem Bild arbeite ich mit Braun, Weiß, Siena, Blau und Türkis. Wasser kommt dazu, Farbe beginnt zu laufen, Flächen treffen aufeinander und verändern sich.
Manches lasse ich stehen. An anderer Stelle gehe ich wieder hinein. Genau darin liegt für mich ein wesentlicher Teil des intuitiven Malprozesses: Ich muss den nächsten Schritt nicht kennen, bevor ich ihn mache.
Eine einfache Acryltechnik für Anfänger
Für diesen Versuch brauchst du keine große Materialsammlung. Gerade als Anfänger kannst du den Aufbau klein halten.
Für einen ersten Versuch reichen:
- eine Leinwand oder festes Malpapier
- wenige Acrylfarben
- ein oder zwei unterschiedliche Schwämme
- Wasser
- deine Hände
Du brauchst dabei nicht möglichst viele Farben. Zwei oder drei Farbtöne plus Weiß können für ein ganzes Bild reichen. Weniger Material nimmt dir am Anfang einige Entscheidungen ab und lässt dir mehr Raum, wirklich zu schauen, was auf der Fläche passiert.
Die Technik darf einfach sein. Interessant wird, was du daraus machst.
Acrylfarbe fließen lassen: Wasser verändert den Malprozess
Wasser spielt in diesem Bild eine wichtige Rolle. Wenn verdünnte Acrylfarbe auf eine feuchte Fläche trifft, lässt sie sich nicht mehr vollständig kontrollieren.
Sie läuft in andere Bereiche hinein, sammelt sich, wird transparenter und verbindet sich mit vorhandenen Farben. Dabei entstehen Übergänge und Strukturen, die ich nicht exakt vorausplanen könnte.

Nicht jede Veränderung braucht sofort eine Antwort.
Manchmal lohnt es sich, der Farbe erst einmal zuzusehen.
Das klingt einfach, ist beim Malen aber gar nicht immer leicht. Wir möchten schnell korrigieren, ergänzen oder eine Stelle „besser“ machen. Gerade bei fließender Farbe kann ein wenig Zeit jedoch Teil der Technik sein.
Mit den Händen malen: direkter Kontakt mit Farbe und Oberfläche
Später arbeite ich in diesem Bild auch mit meinen Fingern. Das mache ich beim Malen häufiger – zum Beispiel auch, wenn ich Kaffee auf Papier verteile.
Mit den Fingern spüre ich unmittelbar, wie nass eine Fläche ist, wie viel Farbe darauf liegt und wann sich der Widerstand der Oberfläche verändert.
Das heißt für mich allerdings nicht, dass Malen mit den Händen automatisch intuitiver oder besser wäre als Malen mit einem Pinsel. Es ist einfach eine andere Information und eine andere Bewegung.
Meditativ malen, abschalten, Art Therapy ...was suchen wir eigentlich?
Rund um kreatives Arbeiten werden ganz unterschiedliche Begriffe gesucht: meditativ malen, achtsam malen, Malen gegen Stress, kreative Auszeit, Art Therapy oder Kunsttherapie.
Oft steckt dahinter zunächst ein ganz alltäglicher Wunsch: für eine Weile aus dem ständigen Denken, Organisieren und Reagieren herauszukommen und die Aufmerksamkeit auf etwas zu richten, das direkt vor uns geschieht.
Beim Malen kann das passieren. Du beobachtest Wasser und Farbe, spürst eine Oberfläche, bewegst deine Hand und reagierst auf Veränderungen. Ein Gedanke taucht auf, aber du musst ihm nicht unbedingt weiter folgen.
Das kann sich ruhig, konzentriert oder meditativ anfühlen. Es ist jedoch nicht dasselbe wie Kunsttherapie im therapeutischen Sinne. Kunst muss außerdem keineswegs immer beruhigen. Sie darf genauso Fragen aufwerfen, Gefühle berühren oder etwas sichtbar machen, das uns beschäftigt.
Im Podcast geht es weiter
Was passiert mit unseren Gedanken, wenn wir malen? Müssen wir wirklich abschalten, damit Malen meditativ sein kann? Und was verändert sich, wenn wir einen Gedanken, ein Erlebnis oder ein Gefühl mit an die Leinwand nehmen?
In der passenden Podcastfolge gehe ich diesen Fragen ausführlicher nach und greife Gedanken aus meiner Community auf.
Malen kann Gedanken leiser werden lassen. Und Malen kann uns genauso dazu bringen, genauer hinzuschauen.
Ein minimalistisches abstraktes Bild darf auch schnell entstehen
Im Video gibt es einen Moment, an dem das Bild nach wenigen Minuten schon fast fertig wirken könnte. Die Naturtöne, das Weiß und die ersten kühlen Farbbereiche ergeben bereits eine ruhige, minimalistische Komposition.
Ich zeige diesen Zustand im Video sogar kurz mit einem Rahmen. Denn gerade beim abstrakten Malen passiert es leicht, dass wir immer noch etwas hinzufügen, obwohl längst etwas Interessantes entstanden ist.
Ein Tipp für Anfänger:
Halte zwischendurch an. Geh einen Schritt zurück. Fotografiere das Bild oder stell dir einen Rahmen darum vor, bevor du weitermalst.
Malen ohne Pinsel heißt nicht: gegen den Pinsel
Die Ausgangsfrage aus meiner Community war für mich deshalb so interessant, weil ich selbst den Pinselstiel gar nicht als störenden Abstand empfinde.
Ein Pinsel kann für mich genauso unmittelbar Teil meines Malprozesses sein wie ein Schwamm oder meine Hand. Aber ein Werkzeugwechsel verändert meine Bewegung, meine Möglichkeiten und auch das, worauf ich beim Malen achte.
Mit dem Werkzeug entscheidest du nicht nur, wie die Spur aussieht. Du entscheidest auch ein Stück weit, wie du dorthin kommst.
Probier es selbst aus
Wenn du das nächste Mal malst, leg deinen Pinsel irgendwann einfach kurz zur Seite. Nicht, weil er falsch ist. Nur um den Unterschied wahrzunehmen.
Nimm einen Schwamm, ein Tuch, deine Finger oder ein Stück Pappe. Achte nicht nur darauf, wie das Bild danach aussieht. Beobachte auch, wie du dich bewegst und worauf sich deine Aufmerksamkeit richtet.
Vielleicht entstehen andere Entscheidungen. Vielleicht verändert sich dein Bild. Oder du stellst fest, dass du deinen Pinsel danach umso lieber wieder in die Hand nimmst.
▶ Den Malprozess ansehen
Im Video siehst du den gesamten Malprozess mit Schwamm, Händen, Wasser und Acrylfarbe.
🎨 Abstrakt malen lernen
Wenn du die Grundlagen der abstrakten Acrylmalerei kennenlernen möchtest, begleite ich dich im Online-Grundkurs Schritt für Schritt.
🎧 Gedanken zum Malprozess
In der passenden Podcastfolge spreche ich über meditatives Malen, Aufmerksamkeit und die Frage, ob der Kopf beim Malen wirklich frei werden muss.
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Du möchtest abstrakt malen, weißt aber noch nicht genau, wie du mit Farben, Werkzeugen und deinem eigenen Bildaufbau beginnen sollst?
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Du musst nicht entscheiden, ob Schwamm, Hand oder Pinsel das richtige Werkzeug ist.
Probier aus, was sich verändert - auf dem Bild und in deinem Malprozess.
Schön, dass du hier bist.
Bunte Grüße,
Petra Thölken

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