bstraktes Strukturrelief mit Kaffee und Spachtel aus Pappe – Atelierprozess Petra Thölken

Abstrakt malen mit Kaffee & Strukturmasse: Wenn die Idee erst beim Machen kommt

Dieses Video ist über YouTube eingebettet - Veröffentlichung ab Sonntag, 9 Uhr Live - Chatte mit mir.

Kennst du das? Eigentlich hast du richtig Lust, etwas zu machen, aber irgendwie bist du doch so müde, dass selbst das Anfangen schon anstrengend wirkt.

Ich kenne das gut. Und ich weiß inzwischen: Wenn ich dann auch noch auf die zündende Idee warte, passiert meistens gar nichts. Deshalb mache ich es mir leicht und fange mit etwas an, das sich schnell gut anfühlt.

Ich rühre mir einfach meine Strukturmasse an. An diesen Tag schnappte mir dann eine Leinwand und nahm das große XL-Palettenmesser. Ich wollte erst einmal nur die Masse verteilen, ein bisschen schieben, glätten und schauen, was passiert.

Und genau dabei kam die Lust zurück. Ich legte irgendwann auch das Palettenmesser weg und ging mit den Händen in die Masse. Plötzlich sah ich Formen: ein Seepferdchen, ein Segelboot und später etwas, das mich an ein Tanzparkett erinnerte. Die Ideen waren vorher nicht da. Sie kamen erst, weil ich angefangen hatte.

Genau das liebe ich:
Ich muss vorher noch nicht wissen, was entsteht. Die Ideen kommen oft erst, wenn meine Hände schon angefangen haben.

Strukturmasse mit den Händen auf einer Leinwand formen

Wenn der Kopf müde ist, dürfen die Hände anfangen

Vielleicht kennst du solche Tage auch. Du möchtest gern malen, aber sobald die weiße Leinwand vor dir liegt, wird alles ein bisschen anstrengend. Welche Farbe? Welche Richtung? Was soll das überhaupt werden?

An solchen Tagen hilft es mir, erst einmal gar nichts entscheiden zu müssen. Mit Strukturmasse kann ich direkt ins Material gehen. Ich kann drücken, ziehen, wieder glätten, etwas stehen lassen und schauen, was mich neugierig macht. So komme ich aus dem Denken heraus und ganz langsam wieder ins Tun.

Das Schönste war: Als die Masse trocknen musste, war ich so inspiriert, dass ich mir ein anderes Werk zum -Weiter-experimentieren vor nahm. Es ging mit dem  Kunststoffnetz weiter. Die Ideen, die vorher überhaupt nicht da waren, wurden auf einmal richtig greifbar. Eine Sache führte einfach zur nächsten.

Falls du gerade auch müde oder festgefahren bist:
Nimm dir nur ein Material vor. Streiche, drücke, kratze oder lass etwas fließen. Du brauchst noch kein fertiges Bild im Kopf. Fang erst einmal an und schau, worauf du beim Arbeiten Lust bekommst.

Strukturmasse selber machen – schnell, preiswert und genau passend

Die Strukturmasse für dieses Bild habe ich selbst hergestellt. Das mache ich sehr gern, weil es so schön preiswert ist und ich die Konsistenz so anpassen kann, wie ich sie gerade brauche. Mal darf sie weicher sein und sich weit über die Leinwand ziehen. Mal möchte ich kräftige Spuren formen, die nach dem Trocknen deutlich stehen bleiben.

Wenn du deine Strukturmasse ebenfalls selbst anrühren möchtest, zeige ich dir in meinem Onlinekurs das genaue Rezept, die Materialien und verschiedene Möglichkeiten, wie du damit arbeiten kannst.

Strukturmasse selbst herstellen & anwenden

ABER: Am nächsten Tag war das Gefühl plötzlich wieder weg!

Als ich am nächsten Tag zurückkam, war die Struktur trocken. Eigentlich hätte ich mich freuen können. Aber die Verbindung zu dem Bild, die am Vortag so leicht da gewesen war, fehlte plötzlich wieder.

Vielleicht lag es an dem für mich ungewohnten Format. Vielleicht waren es auch einfach wieder die vielen Möglichkeiten. Das kann ja ebenfalls passieren. Nur weil ein Anfang leicht war, muss sich der nächste Schritt nicht automatisch genauso anfühlen.

Ich wollte erst einmal nur die Struktur sehen. Also holte ich Kaffee und ließ ihn über die Leinwand fließen. Sofort sammelte er sich in den Rillen, blieb an kleinen Kanten hängen und färbte jede Erhebung ein bisschen anders. Und schwups – da war das Bild wieder vor mir.

Dunkle Farbe tropft auf die mit Kaffee bemalte Strukturmasse

Mit Kaffee malen – und nur zwei Tropfen Farbe dazu

Kaffee ist für solche Strukturen wunderbar. Die warme, natürliche Farbe läuft in jede Vertiefung und zeigt Details, die auf der weißen Fläche vorher kaum zu sehen waren. Von einem hellen Beige bis zu einem dunkleren Braun entstehen ganz von selbst viele kleine Abstufungen.

Dann kamen tatsächlich nur zwei Tropfen dunkle Farbe dazu. Mehr brauchte es gar nicht. Ich nahm ein Stück Pappe, benutzte es wie einen kleinen Spachtel und zog die Farbe durch den Kaffee. Ich schob sie weiter, nahm wieder etwas weg und ließ sie an anderen Stellen einfach fließen.

Abstrakt malen ohne Pinsel: Kaffee mit einem Stück Pappe über das Strukturrelief ziehen

Natürlich habe ich auch wieder meine Finger benutzt. Ich mag diesen direkten Kontakt zur Farbe. Ich spüre sofort, wo etwas dick steht, wo es noch nass ist und wo ich lieber nichts mehr anfasse. Es ist fast so, als würde das Bild unter den Händen antworten.

Wenig Farbe, große Wirkung

Dann lag da plötzlich dieses helle, minimalistische Strukturbild. Ruhig, klar und trotzdem voller kleiner Spuren. Die Struktur durfte wirken, weil ich sie nicht unter vielen Farbschichten versteckt hatte. Und das alles war so schnell und leicht entstanden, dass ich selbst ein bisschen überrascht war.

Minimalistisches abstraktes Strukturrelief mit Kaffee und einem Spachtel aus Pappe KI-Wohnraum-Mockup mit einem minimalistischen Strukturbild in Kaffeetönen

An diesem Punkt hätte ich wirklich aufhören können. Wahrscheinlich hätten viele von euch gesagt: Petra, lass es genau so. Und ehrlich gesagt mochte ich diesen Zustand auch sehr.

Behalten oder zerstören? Jetzt wurde es gefährlich

Trotzdem fühlte es sich für mich noch nicht ganz abgeschlossen an. Das ist dieser gefährliche Moment beim intuitiven Malen: Das Bild ist schön. Es funktioniert. Und trotzdem sagt etwas in dir, dass du noch weitergehen möchtest.

Natürlich weißt du vorher nicht, ob das gut geht. Vielleicht verlierst du genau die Stellen, die du gerade liebst. Aber vielleicht wartet darunter auch etwas, das du sonst nie gefunden hättest.

Also malte ich weiter. Blau kam dazu, helle und dunkle Flächen schoben sich über die Struktur und meine Hände verwischten die Übergänge. Einige schöne Stellen verschwanden tatsächlich. Dafür entstanden neue. Aus dem ersten ruhigen Bild entwickelte sich noch einmal ein ganz anderes Werk.

Beim intuitiven Malen mit den Händen neue blaue Farbschichten auftragen

Ein schöner Zwischenstand darf bleiben. Er muss aber nicht.
Manchmal bedeutet Weitermalen einfach, der eigenen Neugier ein bisschen mehr zu vertrauen als der Angst, etwas zu verlieren.

Genau für solche Momente habe ich meinen Onlinekurs Intuitiver Malprozess – abstrakt malen & weitergehen entwickelt. Für die Stelle, an der du nicht weißt, ob du aufhören oder noch etwas wagen sollst. Und auch für die Tage, an denen du die Verbindung zu deinem Bild verloren hast und einen neuen Zugang suchst.

Intuitiv malen und im Bild weitergehen

Die Leinwand ist dein eigener Raum

Am Ende des Videos spreche ich noch über etwas, das mir sehr wichtig ist. Beim Malen stehen manchmal erstaunlich viele Stimmen mit an der Leinwand: Regeln, Erwartungen und die Frage, ob etwas richtig, schön oder gut genug ist.

Aber die Leinwand gehört dir. Sie ist dein Raum und dein Spielfeld. Du darfst hier ausprobieren, übermalen, wieder von vorn anfangen und natürlich auch etwas stehen lassen, nur weil es sich für dich richtig anfühlt.

Für mich bleibt diese Freiheit nicht nur im Atelier. Wenn ich beim Malen übe, meiner Wahrnehmung zu vertrauen und auch eine unsichere Phase auszuhalten, nehme ich davon immer etwas mit in meinen Alltag.

In meinem Buch Frei und fließend malen findest du viele Gedanken, Techniken und Anregungen dazu. Es lädt dich ein, freier zu arbeiten, Neues auszuprobieren und deiner eigenen Bildsprache Schritt für Schritt näherzukommen.

Mein Buch „Frei und fließend malen“

Schau mir im Atelier über die Schulter

Im Video begleitest du mich vom müden Anfang über Strukturmasse, Kaffee, Pappe und Finger bis zu der Entscheidung, das schöne minimalistische Bild noch einmal zu verändern. Vielleicht bekommst du dabei selbst Lust, deine Leinwand hervorzuholen.

Den Malprozess im Video ansehen →

Und jetzt bin ich neugierig: Hättest du das Bild in dem hellen, minimalistischen Kaffee-Zustand gelassen? Oder hättest du ebenfalls noch einmal Farbe genommen und weitergemalt? Schreib es mir gern unter das Video.

Schön, dass du hier bist.
Bunte Grüße
Petra Thölken


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