Schwarze Farbe wird mit einem breiten Rakel auf einer weißen Leinwand im Atelier verteilt.

Schwarz in der Malerei: Wie die Farbe dein Bild verändert

Schwarz in der Malerei: Was die Farbe mit deinem Bild macht

Was passiert eigentlich, wenn Schwarz in ein Bild kommt?

Schwarz erzeugt starke Hell-Dunkel-Kontraste, hat optisches Gewicht und beeinflusst die Wirkung der Farben in seiner Umgebung. Schon eine kleine schwarze Fläche kann verändern, wohin wir schauen. Eine große schwarze Fläche kann die gesamte Bildwirkung verschieben.

Das klingt erst einmal nach Farbenlehre. Auf der Leinwand wird daraus ziemlich schnell eine Entscheidung.

Denn während Gelb, Türkis oder Rosa oft ganz selbstverständlich aufgetragen werden, passiert bei Schwarz etwas Interessantes: Die Tube steht da und plötzlich wird einfach vorsichtiger damit dosiert.

Warum eigentlich? Und braucht ein Bild überhaupt Schwarz, wenn es dunkel werden soll?

Welche Wirkung hat Schwarz in der Malerei?

Schwarz kann einem Bild Tiefe, Gewicht und einen starken Hell-Dunkel-Kontrast geben. Wie stark es tatsächlich wirkt, hängt allerdings davon ab, wie groß die Fläche ist und welche Farben sie umgeben.

Stell dir eine große schwarze Fläche vor. Daneben Weiß, Grau – und irgendwo nur einen kleinen orangefarbenen Fleck.

Wo schaust du hin?

Sehr wahrscheinlich bekommt dieses kleine Orange plötzlich erstaunlich viel Aufmerksamkeit. Dabei hat sich das Orange selbst überhaupt nicht verändert.

Und damit sind wir bei einem Punkt, der beim Malen schnell übersehen wird: Eine Farbe wirkt nie allein.

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Schwarz. Ja, einfach draufkippen.

In meinem Atelierfilm bleibt Schwarz keine Theorie. Ich arbeite auf einer bereits benutzten Leinwand, mache sie nass, zeichne mit Kreide hinein – und dann kommt Schwarz. Ziemlich viel Schwarz.

Während du den Malprozess siehst, spreche ich darüber, was Schwarz mit einem Bild und mit anderen Farben macht – und warum wir bei dieser Farbe beim Malen so schnell vorsichtiger werden.

Warum ist Hell-Dunkel-Kontrast beim Malen so wichtig?

Hell-Dunkel-Kontraste beeinflussen, welche Bereiche eines Bildes auffallen und wie deutlich sich Flächen voneinander absetzen. Schwarz und Weiß bilden dabei den größtmöglichen Helligkeitsunterschied.

Aber schau einmal nicht auf die Farbnamen, sondern nur auf hell und dunkel.

Muss die dunkelste Stelle in einem Bild tatsächlich schwarz sein?

Genau an dieser Frage wird Farbe für mich interessant. Denn unser Auge kann etwas für Schwarz halten, das bei genauerem Hinsehen eine ganz andere Farbe ist.

Muss man Schwarz verwenden, um dunkel zu malen?

Nein. Auch andere Farben können so dunkel sein, dass wir sie auf den ersten Blick fast für Schwarz halten.

Ein tiefes Blau, Braun oder Violett kann neben Schwarz erstaunlich dunkel aussehen. Auch aus mehreren Farben lassen sich sehr tiefe Farbtöne mischen.

Legst du mehrere solcher Farben nebeneinander, wird es spannend. Welche davon hältst du aus etwas Entfernung noch für Schwarz? Welche wirkt wärmer? Welche kühler? Und steckt in einer fast schwarzen Fläche womöglich viel mehr Farbe, als du zunächst siehst?

Genau daraus ist mein Atelierblatt „Welches Dunkel braucht dein Bild?“ entstanden. Diese Unterschiede lassen sich mit den eigenen Farben direkt untersuchen.

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Warum wirken Farben neben Schwarz anders?

Wir nehmen eine Farbe immer zusammen mit ihrer Umgebung wahr. Deshalb kann derselbe Farbton in zwei unterschiedlichen Farbumgebungen verschieden wirken.

Nimm Ocker oder Orange. Neben einer sehr dunklen Fläche kann die Farbe plötzlich eine Präsenz bekommen, die sie an einer anderen Stelle im Bild nicht hat.

Und jetzt wird die Sache interessanter: Was passiert, wenn das Dunkel daneben kein Schwarz ist, sondern Blau, Braun, Violett oder eine eigene Mischung?

Das lässt sich nicht sinnvoll nur mit „gut“ oder „schlecht“ beantworten. Du musst hinschauen. Dabei hat eine Farbe Nachbarn und die mischen sich ein.

Kann man Schwarz aus anderen Farben mischen?

Ja. Aus verschiedenen Farben lassen sich sehr dunkle Mischungen herstellen, die nahezu schwarz erscheinen können. Wie diese Mischung aussieht, hängt von den verwendeten Farbtönen und Pigmenten ab.

Und genau deshalb finde ich selbst gemischtes Dunkel so interessant. Zwei Mischungen können auf den ersten Blick ähnlich dunkel sein und sich im Bild trotzdem völlig unterschiedlich verhalten.

Die eigentliche Frage ist für mich deshalb selten: Wie bekomme ich möglichst schnell Schwarz?

Mich interessiert: Welches Dunkel braucht dieses Bild?

Warum zögern wir beim Malen mit Schwarz?

Schwarz trägt viele Bedeutungen mit sich. Dunkelheit, Trauer, Gefahr und Angst gehören dazu. Gleichzeitig kennen wir Schwarz als elegant, klar und kraftvoll: der schwarze Anzug, das kleine Schwarze, ein schwarzer Flügel, schwarzer Marmor.

Und dann stehen wir vor unserem eigenen Bild.

Es gefällt uns gerade. Die schwarze Farbtube liegt daneben. Und im Kopf geht es los: Finger weg. Bloß nichts kaputtmachen.

Diesen Punkt kenne ich aus vielen Jahren beim Malen und aus meinen Kursen. Je mehr uns an einem Bild gefällt, desto kleiner können die nächsten Entscheidungen werden.

Dann interessiert mich eine Frage viel mehr als „Ist das Bild jetzt schön?“: Will ich es gerade nur bewahren oder will ich wissen, was noch passieren kann?

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Was passiert, wenn ich Farben miteinander mische? Welche Materialien brauche ich wirklich? Was kann ich mit unterschiedlichen Werkzeugen und Techniken machen? Und wie fange ich überhaupt an, wenn ich abstrakt malen möchte?

Solche Grundlagen machen beim Malen einen Unterschied. Je besser du deine Farben, Materialien und Möglichkeiten kennst, desto leichter kannst du ausprobieren und herausfinden, was zu dir passt.

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Was nimmst du beim nächsten Bild mit?

Wenn du beim nächsten Mal vor einer dunklen Stelle in deinem Bild stehst, schau noch einmal hin, bevor du automatisch nach Schwarz greifst.

Was fehlt dort eigentlich?

Schwarz?

Oder Dunkelheit?

Das klingt nach einer kleinen Unterscheidung. Auf der Leinwand kann daraus eine völlig andere Entscheidung werden.

Und wenn du Schwarz nehmen möchtest: Nimm es. Halloween ist vorbei. Du darfst es benutzen.

Über Petra Thölken

Ich bin Künstlerin und Autorin und beschäftige mich seit vielen Jahren mit abstrakter Malerei, Farbe, Material und künstlerischen Prozessen. Mich interessiert, wie Farben miteinander reagieren, wie wir beim Malen wahrnehmen und entscheiden und wie sich daraus mit der Zeit eine eigene Bildsprache entwickelt. Künstlerstreich habe ich 2003 gegründet. In meinem Atelier in Hannover entstehen meine Arbeiten, Videos, Bücher und Kurse rund um abstrakte Malerei und das eigene künstlerische Tun.

Häufige Fragen zu Schwarz in der Malerei

Welche Wirkung hat Schwarz in einem Bild?

Schwarz erzeugt starke Hell-Dunkel-Kontraste und besitzt optisches Gewicht. Wie dominant es wirkt, hängt von der Größe der Fläche und den benachbarten Farben ab.

Muss ich Schwarz verwenden, um dunkel zu malen?

Nein. Auch dunkles Blau, Braun, Violett oder eigene Farbmischungen können sehr dunkle Werte erzeugen. Welches Dunkel passt, hängt von den übrigen Farben und der gewünschten Wirkung des Bildes ab.

Kann man Schwarz aus anderen Farben mischen?

Ja. Verschiedene Farben lassen sich zu sehr dunklen Mischungen verbinden, die nahezu schwarz erscheinen können. Das Ergebnis hängt von den verwendeten Farbtönen und Pigmenten ab.

Warum wirken Farben neben Schwarz stärker?

Die Wahrnehmung einer Farbe wird von ihrer Umgebung beeinflusst. Helle oder intensive Farben können sich vor einer sehr dunklen Fläche deutlich abheben und dadurch stärker ins Auge fallen.

Welche Farben kann ich statt Schwarz verwenden?

Dunkles Blau, Braun und Violett können ebenso wie selbst gemischte dunkle Farbtöne eine Alternative zu Schwarz sein. Welche Farbe funktioniert, zeigt sich am besten im Zusammenspiel mit den übrigen Farben deines Bildes.

Wie finde ich heraus, welches Dunkel zu meinem Bild passt?

Dunkle Farbtöne können im selben Bild sehr unterschiedlich wirken. Mit meinem kostenlosen Atelierblatt „Welches Dunkel braucht dein Bild?“ kannst du das mit deinen eigenen Farben untersuchen.

Weiterlesen: Farbe, Bildgestaltung und Malprozess

Farbe ist nur ein Teil dessen, was auf einer Leinwand passiert. Bei Künstlerstreich findest du weitere Artikel darüber, wie Farben miteinander reagieren, wie Bildaufteilung und Kontraste wirken und wie du während des Malens deine eigenen Entscheidungen entwickelst.

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