Wie finde ich meinen eigenen Malstil und muss ich ihn überhaupt suchen?

Wie finde ich meinen eigenen Malstil und muss ich ihn überhaupt suchen?

Wie finde ich meinen eigenen Malstil – und muss ich ihn überhaupt suchen?

Du möchtest frei malen. Doch plötzlich fragst du dich, ob dein Bild überhaupt nach dir aussieht.

Oder du schaust auf deine letzten Arbeiten und denkst: „Mist, die sehen ja schon wieder alle gleich aus!“

Das Gegenteil kann genauso verunsichern: Ein Bild ist bunt und lebendig, das nächste ruhig und zurückhaltend. Du probierst unterschiedliche Materialien und Techniken aus. Aber wo ist dabei dein eigener Stil?

Die Suche nach einem eigenen Malstil kann uns weiterbringen. Sie kann aber auch dazu führen, dass wir uns beim nächsten Bild selbst beobachten und kontrollieren. Passt das zu mir? Darf ich das jetzt anders machen? Ist das noch wiedererkennbar?

Und plötzlich steht zwischen uns und der Leinwand eine Vorstellung davon, wie unsere Kunst aussehen sollte.

Eigener Malstil in der abstrakten Malerei – Petra Thölken zeichnet mit roter Kreide auf die Leinwand
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Wie finde ich meinen eigenen Malstil?

Einen eigenen Malstil entwickelst du durch deine künstlerische Praxis: indem du ausprobierst, beobachtest, Entscheidungen triffst und herausfindest, was dich wirklich interessiert. Du musst dafür nicht zuerst festlegen, wie deine Bilder aussehen sollen.

Natürlich gibt es Dinge, zu denen wir immer wieder zurückkehren. Bestimmte Farben, Formen, Materialien oder Motive. Mit der Zeit können daraus wiedererkennbare Merkmale entstehen.

Aber ich finde, dass ein eigener Stil viel mehr zeigt als eine bestimmte äußere Erscheinung.

Er zeigt sich beispielsweise darin, was ich überhaupt wahrnehme. Wie ich auf eine Veränderung im Bild reagiere. Was ich stehen lasse, was ich verändere und wofür ich mich entscheide.

Und deshalb können auch sehr unterschiedliche Bilder eine persönliche Handschrift tragen.

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Eigener Stil – Freiheit oder Wiedererkennbarkeit?

Warum die Suche nach dem eigenen Stil beim Malen zur Falle werden kann.

In diesem Podcast spreche ich über drei Fragen, die mich als Künstlerin beschäftigen: Was ist überhaupt ein eigener Stil? Warum ist Wiedererkennbarkeit in der Kunst so wichtig? Und woran merke ich, ob ich meinen Stil weiterentwickle oder mich längst auf eine bestimmte Vorstellung davon festgelegt habe?

Dazu erzähle ich auch von meinen Erfahrungen mit Galerien, vom Einfluss von Bewertungen auf Social Media und davon, warum ich mir die Freiheit erhalten möchte, beim Malen immer wieder neue Entscheidungen zu treffen.

Ca. 17 Minuten · Mit Einblicken in meinen Malprozess

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Muss ich einen eigenen Stil haben, um abstrakt zu malen?

Nein. Du brauchst keinen festgelegten, unverwechselbaren Stil, um abstrakt zu malen. Auch wenn deine Bilder ganz unterschiedlich aussehen, kannst du dich auf deine persönliche Weise ausdrücken.

Gerade beim freien Malen finde ich es wichtig, dass ich selbst entscheiden darf, was mich heute interessiert.

Wenn ich heute Lust auf eine ruhige, zurückhaltende Fläche habe, warum sollte ich dann ausgerechnet die kräftigen Farben benutzen, mit denen ich vielleicht besonders oft arbeite?

Und wenn mich morgen wieder ein bestimmtes Material begeistert, dann darf ich es selbstverständlich erneut verwenden.

Die entscheidende Frage ist für mich weniger, ob andere einen bestimmten Stil erkennen. Mich interessiert, ob ich mich beim Malen auf das einlassen kann, was mich gerade beschäftigt.

Meine Bilder dürfen sich verändern. Ich verändere mich schließlich auch.

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Warum sehen meine Bilder immer gleich aus?

Wenn deine Bilder ähnlich aussehen, kann das daran liegen, dass dich bestimmte Farben, Formen oder Arbeitsweisen immer wieder interessieren. Das ist zunächst nichts Schlechtes. Wiederholung kann zu einer künstlerischen Handschrift gehören.

Ich kenne allerdings auch die andere Seite: Man entdeckt eine Lösung, die gut funktioniert, und greift immer häufiger darauf zurück.

Weil sie vertraut ist. Weil man weiß, dass das Ergebnis wahrscheinlich gut aussehen wird. Oder weil genau diese Bilder besonders viel Zustimmung bekommen.

Dann lohnt sich eine Frage: Interessiert mich diese Lösung noch – oder benutze ich sie inzwischen hauptsächlich, weil sie sich bewährt hat?

Es kann genauso befreiend sein, etwas erneut zu malen, wie etwas völlig Neues auszuprobieren. Solange die Entscheidung bei mir bleibt.

Im Podcast gehe ich genauer darauf ein, warum sich eigener Stil und bloße Wiederholung unterscheiden – und warum man sich auch durch das ständige Vermeiden von Wiederholungen selbst einschränken kann.

Im Podcast ansehen: Stil oder Wiederholung? (ab 02:45) →

Warum ist Wiedererkennbarkeit in der Kunst so wichtig?

Wiedererkennbarkeit kann helfen, Kunstwerke einer Künstlerin oder einem Künstler zuzuordnen und zusammenhängende Werkgruppen zu vermitteln. Deshalb spielt sie besonders bei Ausstellungen, in Galerien und auf dem Kunstmarkt eine Rolle.

Aus meiner eigenen Ausstellungspraxis kenne ich Anfragen nach weiteren Arbeiten in einer bestimmten Richtung oder in einem bestimmten Format.

Das ist nachvollziehbar. Eine Galerie plant Ausstellungen und möchte Arbeiten zeigen, die miteinander einen Zusammenhang ergeben.

Es gibt aber einen Unterschied zwischen einer bewusst entwickelten Werkgruppe und der Erwartung, dass alle zukünftigen Bilder immer wieder ähnlich aussehen müssen.

Wenn diese Erwartung beim freien Malen ständig mit im Kopf sitzt, kann sie meine Entscheidungen beeinflussen.

Im Podcast erzähle ich ausführlicher von diesen Erfahrungen und davon, warum ich zwischen meiner freien Atelierarbeit und den Anforderungen des Kunstmarkts unterscheide.

Im Podcast: Wiedererkennbarkeit und Kunstmarkt (ab 04:45) →

Warum kann die Suche nach dem eigenen Stil eine Malblockade auslösen?

Die Suche nach einem eigenen Stil kann zur Malblockade werden, wenn du jede Entscheidung daran misst, ob sie zu deinen bisherigen Bildern passt. Dann beschäftigst du dich beim Malen zunehmend mit Erwartungen an dein Ergebnis.

Du möchtest vielleicht etwas ganz anderes ausprobieren. Gleichzeitig meldet sich der Gedanke: Das sieht doch überhaupt nicht nach mir aus.

Oder du vergleichst dein Bild mit Arbeiten anderer Künstlerinnen und Künstler. Was dort so selbstverständlich aussieht, wird bei dir plötzlich zu einer zusätzlichen Anforderung.

Auch Rückmeldungen auf Social Media können eine Rolle spielen. Man merkt sich, welche Bilder besonders gut ankommen. Und irgendwann fragt man sich, ob man wieder etwas Ähnliches machen sollte.

Ich finde deshalb die Frage wichtig, wie viel von diesen äußeren Bewertungen wir beim Malen überhaupt berücksichtigen möchten.

Denn vor meiner Leinwand brauche ich die Freiheit, etwas auszuprobieren, ohne schon vorher zu wissen, wie andere darauf reagieren werden.

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Darf sich mein eigener Malstil im Laufe der Zeit verändern?

Ja. Ein eigener Malstil kann sich verändern, weil sich deine Interessen, Erfahrungen und deine Sicht auf die Welt verändern. Deine persönliche Bildsprache muss deshalb nicht auf eine einzige Farbpalette, Technik oder Form beschränkt bleiben.

Genau das ist für mich ein wichtiger Teil künstlerischer Freiheit.

Wenn ich beim Malen etwas entdecke, das mich interessiert, möchte ich darauf reagieren können. Auch wenn dadurch ein Bild entsteht, das ganz anders aussieht als meine bisherigen Arbeiten.

Und ich darf genauso gut bei etwas bleiben, das ich noch weiter untersuchen möchte.

Ich möchte mich in meinen Bildern wiederfinden. Aber ich möchte mich darin nicht festlegen.

Ein eigener Stil bedeutet für mich deshalb nicht, eine einmal gefundene äußere Form immer wieder bestätigen zu müssen.

Ich erkenne mich auch in meinen Interessen, in meiner Wahrnehmung, in meinen Entscheidungen und in meiner Art, mit Farbe und Material umzugehen.

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Wie entwickle ich meine eigene Bildsprache?

Eine eigene Bildsprache entsteht, wenn du deine Wahrnehmung und deine Interessen mit den Möglichkeiten der Malerei verbindest. Dabei können Farben, Flächen, Materialien und Formen zu Ausdrucksmitteln werden, mit denen du etwas Eigenes sichtbar machst.

Für mich gehört dazu, aufmerksam zu bleiben: Was geschieht gerade auf meiner Leinwand? Welche Richtung interessiert mich? Was möchte ich verändern?

Das ist ein Prozess. Eine Entscheidung führt zur nächsten. Und die nächste kann das Bild in eine Richtung bringen, mit der ich vorher überhaupt nicht gerechnet habe.

Vielleicht liegt darin eine der wichtigsten Erfahrungen beim Malen: Ich muss nicht schon vor dem ersten Farbauftrag wissen, wie mein Bild am Ende aussieht.

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Wenn Kunst zur eigenen Sprache wird

Diesen Gedanken führe ich in meinem Buch „Frei und fließend malen“ weiter. Dort beschäftige ich mich mit inneren Räumen, mit Stimmungen und Gefühlen und damit, wie wir ihnen durch Farbe, Form und Material Ausdruck geben können.

Denn wenn Kunst eine Sprache ist, muss ich nicht mein Leben lang denselben Satz sagen, damit man mich wiedererkennt.

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Warum malen wir eigentlich?

Am Ende des Podcasts geht die Frage nach dem eigenen Stil für mich noch einen Schritt weiter: Für wen male ich überhaupt? Und warum möchte ich malen?

Diese Fragen sind für mich entscheidend. Denn ob ich frei für mich arbeite, ein Bild für eine Ausstellung entwickle oder eine bestimmte Werkgruppe plane, macht einen Unterschied.

Im freien Malen kann die Leinwand ein Raum sein, in dem ich selbst wahrnehme, ausprobiere und entscheide. Ich darf etwas verändern, verwerfen oder neu beginnen.

Dass künstlerisches Tun weit über das fertige Kunstwerk hinaus Bedeutung hat, beschäftigt mich auch in meinem Denkraum. Dort greife ich unter anderem die internationale Diskussion darüber auf, Kultur als eigenständiges Nachhaltigkeitsziel nach 2030 zu verankern.

Im Denkraum weiterlesen: Warum künstlerisches Tun für uns Menschen wichtig ist →

Künstlerstreich Podcast

Eigener Stil - wann wird Wiedererkennbarkeit zur Falle?

Im Podcast nehme ich dich mit in meinen Malprozess und erzähle, wie ich selbst mit diesen Fragen umgehe. Von meiner Erfahrung im Kunstmarkt über den Einfluss von Social Media bis zu dem Punkt, an dem ich mich frage, ob ich eine eigene künstlerische Richtung entwickle oder längst versuche, einer Vorstellung von mir selbst treu zu bleiben.

Vielleicht entdeckst du darin eine Frage, die du beim nächsten Bild für dich mitnehmen möchtest.

Den vollständigen Podcast ansehen →

Über Petra Thölken

Ich bin Künstlerin und Autorin und beschäftige mich seit vielen Jahren mit abstrakter Malerei, Farbe, Material und künstlerischen Prozessen. Mich interessiert, wie wir beim Malen wahrnehmen, entscheiden und Veränderungen zulassen. Künstlerstreich habe ich 2003 gegründet. In meinem Atelier in Hannover entstehen meine Arbeiten, Videos, Bücher und Kurse rund um abstrakte Malerei und das eigene künstlerische Tun.

Häufige Fragen zum eigenen Malstil

Wie lange dauert es, einen eigenen Malstil zu finden?

Dafür gibt es keinen festen Zeitraum. Ein eigener Stil entwickelt sich mit der künstlerischen Erfahrung und kann sich immer wieder verändern. Entscheidend ist, dass du malst und herausfindest, welche Arbeitsweisen, Themen und Entscheidungen dich interessieren.

Kann ich einen eigenen Malstil haben, obwohl meine Bilder unterschiedlich aussehen?

Ja. Deine künstlerische Handschrift kann sich auch in deiner Wahrnehmung, deinen Entscheidungen und deinem Umgang mit Farbe und Material zeigen. Dafür müssen nicht alle Bilder dieselben Farben oder Motive haben.

Ist es schlecht, wenn ich beim Malen immer wieder ähnliche Bilder male?

Nein. Wiederholung kann Ausdruck eines anhaltenden künstlerischen Interesses sein. Interessant wird die Frage, ob du bewusst weiter daran arbeitest oder nur noch auf eine vertraute Lösung zurückgreifst.

Wie werde ich beim abstrakten Malen freier?

Indem du dir erlaubst, unterschiedliche Möglichkeiten auszuprobieren und deine Entscheidungen während des Malens zu verändern. Kenntnisse über Farben, Werkzeuge und Bildaufbau können dir dabei mehr Sicherheit und Spielraum geben.

Muss ich meinen eigenen Stil gefunden haben, bevor ich Bilder ausstelle?

Nein. Für Ausstellungen kann eine zusammenhängende Werkgruppe hilfreich sein. Das bedeutet aber nicht, dass deine gesamte künstlerische Arbeit dauerhaft auf einen einzigen Stil festgelegt sein muss.

Weiterlesen: Malprozess, Freiheit und eigene Bildsprache

Wenn dich diese Fragen beschäftigen, findest du bei Künstlerstreich weitere Gedanken und praktische Möglichkeiten, um selbst ins Malen zu kommen.

Ein Raum für uns

Wie erlebst du deinen eigenen Malstil?

Gibt es Farben, Formen oder Arbeitsweisen, zu denen du immer wieder zurückkehrst? Und freust du dich über diese Wiedererkennbarkeit – oder überrascht du dich lieber selbst mit jedem neuen Bild? Mich interessiert, wie du deinen eigenen Stil erlebst. Schreib mir gern unten in die Kommentare oder direkt unter mein Podcast-Video.

Ich freue mich auf deine Gedanken.

Bunte Grüße
Petra Thölken


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